Nachbericht zur PAYMENT 2013

Mobile Payment und SEPA im Zentrum der PAYMENT 2013

Die PAYMENT 2013 – 8. Kongress für Zahlungssysteme und Zahlungsprozesse am 14. und 15. Mai 2013 zeigte die Zukunft des kontaktlosem Bezahlens und die drängenden Anforderungen mit SEPA (Single Euro Payments Area) auf. Auch wenn das kontaktlose Bezahlen noch immer auf den Durchbruch im Massenmarkt wartet, so hat sich die PAYMENT wie in den letzten Jahren durch die anerkannt hohe Qualität der Vorträge wieder als stabile Plattform gezeigt, auf der innovative Lösungen vorgestellt und diskutiert werden. Über 120 Unternehmensvertretern aller Branchen und Experten für Zahlungsprozesse erhielten aktuelle Informationen, um den richtigen Zeitpunkt für ihre Investitionen in Payment-Lösungen und Payment-Prozesse bewerten zu können.

Der digitale Strukturwandel gewinnt an Fahrt und wird viele Wirtschaftsbeziehungen umgestalten. Dies war die deutliche Botschaft der Eröffnungskeynote der PAYMENT 2013, in der Thomas F. Dapp (Deutsche Bank Research) den großen Vergleich der digitalen mit der industriellen Revolution plausibel machen konnte. Im anschließenden Fachvortrag ging Thorsten Huber (Web Arts AG) dann auf die psychologische Dimension dieser Veränderungen ein und erläuterte, wie emotionale Resonanz bei Angeboten in Netz entsteht und das Kaufverhalten bestimmt. Nach einer ersten Kaffeepause, die direkt zu intensivem Networking genutzt wurde, zeigten dann die Praxisberichte von Frank Rehme (METRO Systems GmbH) und Paolo Oliva (Jades24 GmbH), wie Unternehmen E-Commerce und Mobile-Commerce angehen können. Frank Rehme zeigte dabei die Entwicklungen bei der METRO auf, machte jedoch auch einige skeptische und kritische Anmerkungen zu den optimistischen Szenarien für eine schnelle Verbreitung von Mobile Commerce und Mobile Payment. Paolo Oliva konnte nachweisen, wie sich konkrete Mehrwerte einzelner Paymentmethoden für Kunden und Shopbetreiber realisieren lassen und dass die Bedeutung der Zahlungsverfahren mit dem Preis der Produkte zunimmt.

Nach einer von Teilnehmern, Referenten und Ausstellern zu regem Austausch genutzten Mittagspause wurden am Nachmittag in zwei parallelen Vortragsreihen die Themen “Zahlungssysteme – Online & Mobile Payment“ sowie “SEPA-Ready bis 2014“ detaillierter betrachtet. In der ersten Reihe, erneut gekonnt moderiert von Robert Herzig (METRO AG), zeigte zunächst Oliver Behrens (ORLEN Deutschland GmbH), wie sich am Point of Sale das kontaktlose Zahlen umsetzen lässt und dass nur das kontaktlose Bezahlen derzeit ein Wachstumsfeld ist. „Einmal kontaktlos immer kontaktlos“, so könne man das Kundenverhalten zusammenfassen. Im Anschluss zeigte Dunja Springer (Wirecard Technologies GmbH), wie sich durch die Analyse der Kundenbonität das Angebot der Zahlverfahren und Kreditlimits seitens des Händlers steuern lassen. Dr. Matthias Terlau (OsborneClarke) stellte die zunehmende Sensibilität des Themas BaFin-Erlaubnis und E-Geld-Lizenz dar. Neben der grundsätzlichen Erlaubnispflicht für Zahlungsdienste, erläuterte er die möglichen Ausnahmen und die wachsende Bedeutung von (Rabatt-)Gutscheinen und Couponing in diesem Zusammenhang. Anschließend standen die Themen Smartphone-Payment, elektronische Geldbörse und das Mobile Wallet im Mittelpunkt. Christoph Roßbroich (XCOM AG) stellte dazu das über eine Smartphone-App funktionierende System kesh vor, mit dem Zahlungen zwischen Kunden und Händler ebenso abgewickelt werden können, wie unter Privatpersonen. Die dabei entstehenden „Payment-Ökosysteme“ könnten dabei dann durchaus lokal sein. In dem abschließenden Fachvortrag der Vortragsreihe stellte Dr. Andreas Schauer (Giesecke & Devrient) die Umsetzung von Mobile Wallets unter Sicherheitsaspekten dar. Sein Fazit: Im Grundsatz seien die Sicherheitsprobleme lösbar, aber es erfordere eine Zusammenarbeit der beteiligten Stakeholder.

Die parallele Vortragsreihe “SEPA-Ready bis 2014“ eröffnete Monika Holdenrieder (Verlagsgruppe Weltbild GmbH) mit dem Appell, die Komplexität der SEPA-Umstellung nicht zu unterschätzen und zeigte auf, welche Schritte die Weltbild-Gruppe bereits gegangen ist. Danach zeigte Dr. Matthias Hauschild (Deutscher Landkreistag) warum gerade in Deutschland die SEPA-Umstellung eine so große Herausforderung für Unternehmen und Behörden ist: 700 Millionen Einzugsermächtigungen und 45% aller Lastschriften des Euroraumes bestehen in Deutschland. Besondere Sorgen bereiten dabei die für SEPA notwendigen Gläubiger-Identifikationsnummern, von denen bei 3,6 Millionen Unternehmen bislang nur ca. 200.000 vergeben wurden. Danach zeigte Björn Jüngerkes (biw Bank für Investments und Wertpapiere AG), welche Hilfestellung seitens der Banken bei dieser Umstellungsaufgabe erwartet werden dürfen. Abschließend verdeutlichte Dr. Ernst Stahl (ibi research an der Universität Regensburg GmbH), dass nur noch 180 Arbeitstage bis zur SEPA-Umstellung verbleiben und dass die Umstellung in jedem Fall kommen wird und jetzt in den Unternehmen die Testphase beginnen müsste!

Die beiden abschließenden Plenumsvorträge waren der weiteren Zukunft des Bezahlens gewidmet. Nils Winkler (Yapital) zeigte, wie sich eine Zahlart für alle Vertriebskanäle gestalten lässt und mit welchem Kundennutzen man das Cross-Channel-Payment voranbringen kann. In der direkt anschließenden Abschlußkeynote zeigte dann Maike Strudthoff (MSIC Insights & Consulting for Mobile Innovation), wie sich Mobile Payment anhand von kundenzentrischen Szenarien entwickeln wird und wie die neuen mobilen Möglichkeiten den Alltag der Menschen verbessern können.

PAYMENT Night Talk

Den Abschluss des ersten Veranstaltungstages bildete am Abend der PAYMENT Night Talk unter der fundierten Leitung von Achim Himmelreich (Mücke, Sturm & Company GmbH), bei dem Hanno Bender (Stv. Chefredakteur “Der Handel“), Hans-Bernhard Beykirch (VISA Deutschland), Frank Kirchner (TARGOBANK AG & Co. KGaA) und Karsten Werner (Journalist und Fachautor) analysierten, welche Chancen und welche Hemmnisse sich für die Verbreitung des Mobile Commerce im Massenmarkt absehen lassen. Besonders die wechselseitige Blockade von Kreditwirtschaft, Telekommunikationsanbietern und Internetkonzernen lasse für die nächsten Jahre keinen schnellen Durchbruch erwarten. Sollte sich dieses Belauern der Stakeholder jedoch auflösen, so sei technisch der Weg geebnet, um schnelle Fortschritte erzielen zu können. Im Anschluss an diese packende Diskussionsrunde hatten die Teilnehmer dann die die Gelegenheit, die Anregungen des Tages sacken zu lassen, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Verbindungen im persönlichen Gespräch zu vertiefen. Es entstanden zahlreiche Gespräche und kreative Ideen, die für einen angenehmen Abend sorgten.

Workshoptag

Am 15. Mai 2013 wurde die PAYMENT 2013 mit zwei parallelen Workshops fortgesetzt. Aline Eckstein und Svenja Groß (beide ECC Köln am IfH Institut für Handelsforschung GmbH) analysierten gemeinsam mit Sebastian Rohr (accessec GmbH)  einerseits die Zukunft des Payment im Mobile- und Multi-Channel-Handel und gaben eine sehr gute und lebhafte Orientierung über die Chancen und Möglichkeiten, aber auch über die Sicherheitsaspekte des mobilen Bezahlens.

Dr. Ernst Stahl (ibi research an der Universität Regensburg GmbH) erläutert zusammen mit Claus Wild (Adolf Würth GmbH & Co. KG) und Dirk Distelrath (KPMG AG), wie SEPA in den verbleibenden Monaten bis 2014 noch in den Unternehmen umgesetzt werden kann. Viele Fragen der Teilnehmer zeigten, wie groß die technischen und prozessualen Herausforderungen sind, die von den Unternehmen bewältigt werden müssen.

Beide Workshops kennzeichnete ein spannender Verlauf, der die zahlreichen Themen der Payment-Branche bündelte. Aufgrund der regen Beteiligung aller Beteiligten trugen die Workshops dazu bei, die wichtigen Handlungsfelder zu identifizieren und boten den Teilnehmern die Gelegenheit sich rechtzeitig mit ihren Projekten und Prozessen für die Zukunft fit zu machen.

Fazit und Ausblick

Zwei inhaltliche Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus den Diskussionen auf der der PAYMENT 2013 sind dabei hervorzuheben:

Alle Unternehmen die jetzt noch nicht mit Hochdruck an der Umsetzung von SEPA arbeiten werden voraussichtlich 2014 ein böses Erwachen erleben. Der finale Countdown bis Februar 2014 läuft!

Mit der flächendeckenden Einführung von kontaktlosen Karten, NFC-fähigen Smartphones und den ersten funktionieren Beispielen für In-App-Payment verändern sich die Spielregeln im Payment-Markt und für den Handel. Auch wenn der Durchbruch im Massenmarkt noch nicht in 2013 oder 2014 erfolgen wird, so ist es jetzt schon profitabel, den Trend zu Multi-Channel-Payment zu nutzen und die eigene Wettbewerbsposition zu verbessern.


Jetzt bereits vormerken: PAYMENT 2014

8. und 9. April 2014 in Frankfurt am Main

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